Zusammen einfach stark! Interview mit dem Sprecherteam der jungen Holzbauunternehmer_Innen

Julia Rank

V.l.n.r. Julia Rank, Maximilian Merk, Marcel Mohr

Beim Seminar 2018 wählten die jungen Holzbauunternehmer ein Sprecherteam. Gut ein Jahr im Amt ist Grund genug, uns mit der Sprecherin Julia Rank und den beiden stellvertretenden Sprechern Marcel Mohr und Maximilian Merk zu unterhalten.

Für alle, die das Seminar für junge Holzbauunternehmer/innen noch nicht kennen. Wer oder was sind die jungen Holzbauunternehmer? 

Maximilian Merk: Die jungen Holzbauunternehmer/innen sind angehende Führungskräfte, die gerade dabei sind, Verantwortung in einem Unternehmen zu übernehmen, oder bereits in die Führung eines Unternehmens eingestiegen sind. Für uns ist es wichtig, uns mit anderen jungen Holzbauunternehmern über spannende Themen wie zum Beispiel Digitalisierung, Betriebswirtschaft oder Prozesse auszutauschen. Das richtig Gute an unseren Treffen ist, dass sich die Teilnehmer in kürzester Zeit sehr offen über aktuelle Herausforderungen und Strategien unterhalten, wie wir gemeinsam die Zukunft des Holzbaus mitgestalten können.

Julia Rank: Die jungen Holzbauunternehmer/innen sind als nächste Generation der in Deutschland zusammengefassten Landesverbände die Zukunft des Holzbaus. Zusammen bilden wir die Verbandsorganisation Holzbau Deutschland und können uns so überregional austauschen und vernetzen. Zusammen einfach stark!

Marcel Mohr: Die jungen Holzbauunternehmer/innen ist eine Zusammenkunft von Unternehmern, Gründern, Nachfolgern und Führungskräften der Holzbaubranche, welche sich unter der Schirmherrschaft von Holzbau Deutschland treffen, um Neues zu erfahren, Erfahrungen auszutauschen und Gleichgesinnte kennenzulernen.

Ihr trefft euch jedes Jahr und jedes Jahr gibt es ein Schwerpunktthema. In diesem Jahr steht die Betriebswirtschaft im Mittelpunkt eures Seminars. Wer sollte eurer Meinung nach unbedingt an dem Seminar teilnehmen? Wer kann davon profitieren?

Julia Rank: Die betriebswirtschaftliche Führung ist die Grundlage unseres tagtäglichen Handelns. Da sollte man als junger Holzbauunternehmer Bescheid wissen. Bei unserem Seminar haben wir je nach betriebswirtschaftlicher Vorerfahrung eine parallel laufende Workshop-Reihe entwickelt. So kann sich jeder Teilnehmer individuell nach seinem Wissensstand informieren und sich mit den Referenten austauschen. Ziel ist es, einen strukturierten Überblick zu vermitteln und so dem Thema Betriebswirtschaft sicher und verantwortungsvoll zu begegnen: Unwissenheit schafft Angst, und Angst ist der schlechteste Berater! Das wollen wir mit unserem Seminar ändern.

Maximilian Merk: In Zeiten der aktuellen Hochkonjunktur und scheinbar vollen Auftragsbüchern ist es umso wichtiger den Blick für das „Wesentliche“ nicht zu verlieren. Ein wichtiger Teil des „Wesentlichen“ in einem Unternehmen ist auf jeden Fall die Betriebswirtschaft. Viele Betriebe freuen sich aktuell über einen großen Auftragsüberhang, vergessen in diesem Moment jedoch die tatsächliche Wirtschaftlichkeit der Aufträge und können leider trotz guter Auftragslage nur mäßige Ergebnisse erzielen. Auf Grund dessen ist das Seminar mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaft für alle Teilnehmer zu empfehlen, die Verantwortung im Betrieb übernehmen. Insbesondere für Nachfolger ist es interessant mit eigenen Werkzeugen den zu übernehmenden Betrieb im Hinblick auf die Betriebswirtschaft näher zu durchleuchten und zu bewerten.

Marcel Mohr: Mit dabei sein sollte jeder, der frisch in der Unternehmensführung tätig ist oder dies in kommender Zeit anstrebt.

Die Veranstaltung heißt Seminar für junge Holzbauunternehmer. Das klingt nach Altersbegrenzung. Wer darf an den Seminaren teilnehmen?

Julia Rank: „Jung“ zielt primär nicht auf das Alter ab, sondern auf den Stand der eigenen Entwicklung im Unternehmen. Bin ich erst seit Kurzem als Nachfolger im Unternehmen aktiv, dann bin ich bei den jungen Holzbauunternehmern richtig. Die Altersgrenze von 35 Jahren haben wir anhand des durchschnittlichen Übergabealters festgesetzt.

Maximilian Merk: Die Veranstaltung richtet sich an die nachfolgenden Führungskräfte im Handwerk. Eine Altersobergrenze ist deshalb nur schwierig auszumachen. Auf Grund der Themen, Schwerpunkte und Ausrichtung des Seminars fokussiert sich das Teilnehmerfeld tatsächlich auf junge Holzbauunternehmer/innen bis maximal 35 Jahren.

Welche Rolle spielt bei euch der gemeinsame Austausch bei diesen Treffen? Wie ist eure Erfahrung, bleiben die Teilnehmer auch weiter in Kontakt?

Julia Rank: Heutzutage können Seminarinhalte auch im Web über sogenannte Webinars oder anhand anderer digitaler Medien vermittelt werden. Das ist sicherlich praktisch und flexibel, aber wir sollten uns auch bewusst sein, was wir dafür verlieren und aufgeben. Das sind nämlich „echte Erfahrungen“! Wenn wir vor Ort zusammenkommen kommunizieren wir ganz anders. Wir sind ungezwungener, spontaner und das ist es, was Ideen fördert und Neues entstehen lässt. Wir haben zwar eine WhatsApp Gruppe, um uns zu vernetzen, aber im Alltag hat man ehrlich gesagt selten Zeit und Muße, sich durch einem Chatverlauf durch zu scrollen. Da ist unser Seminartermin die perfekte Möglichkeit, an Ort und Stelle zusammen zu kommen, neues Wissen zu tanken und neue Bekanntschaften zu schließen. Ich für mich kann sagen, dass ich durch die Seminare Freundschaften geschlossen habe, die mich motivieren und mir bestätigen, dass ich bei den Holzbaujunioren genau richtig bin!

Maximilian Merk: Neben den spannenden Themenblöcken ist es uns ein Anliegen auch speziell den Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Die praktisch orientierten Themenblöcke reichen bei Weitem nicht an die spannenden Erfahrungen anderer Teilnehmer/innen zu etwaigen Themen heran. Viele Herausforderungen im Alltagsleben wurden bereits von anderen Teilnehmer/innen durchlebt. Diese Erfahrungen und Wege anderen Teilnehmer/innen mitzuteilen und somit gemeinsam von einem riesen Erfahrungspool zu leben, zählt für mich als wichtigster Punkt der ganzen Veranstaltungsreihe. Es entstehen offene Gespräche über viele verschiedene Themen des Berufs- aber auch des Privatlebens. Bereits nach dem ersten Tag der Auftaktveranstaltung in Freiburg haben sich Kontakte und Freundschaften für die weitere Veranstaltungen und Berufsjahre entwickelt. Networking auf höchstem Niveau.

Marcel Mohr:
Der gemeinsame Austausch spielt eine sehr große Rolle! Wir können sehr viel von den Erfahrungen von anderen lernen und dies in einer Vielfalt, wie es auf keinem Seminar gebündelt angeboten werden kann. Wir können von Fehlern anderer lernen, damit nicht jeder dieselben Fehler machen muss und sind in der Gruppe kreativ im Weiterdenken schon begonnener Denkprozesse.

 

Beim Seminar in Freiburg 2018 habt ihr euch mit der Digitalisierung im Holzbau beschäftigt. Hat euch die Veranstaltung persönlich weitergebracht? Habt ihr bereits in euren Unternehmen die betrieblichen Abläufe an die Digitalisierung angepasst?

Julia Rank: Bereits das Freiburger Viertel „Vauban“, in welchem wir tagten, war eine große Inspirationsquelle. Tagungsort und Inhalt haben zusammen ein vielfältiges Spektrum an Perspektiven zum Thema Digitalisierung geboten. Diese Inputs geben Anreize für neue Entwicklungsrichtungen. Für mich persönlich ist das Schlagwort „Digitalisierung“ keine „Hau- Ruck“ Aktion, sondern sollte im betrieblichen Prozess durchdacht und hinterfragt werden. Was macht Sinn für unseren Betrieb und was denken die Mitarbeiter darüber. Das Seminar von Holzbau Deutschland setzt Impulse. Es liegt allerdings an jeder/m Nachfolger/in selbst wie sie/er mit diesem Thema tatsächlich umgeht und was realisiert wird.

Maximilian Merk: Die Themeninhalte der Veranstaltung in Freiburg haben mir selbst die Notwendigkeit der Digitalisierung nochmals gezeigt und letzten Endes bestätigt. Eine Anpassung des Digitalisierungs- und Leistungsniveau im Vergleich zur Industrie ist schon längst überfällig. Der Holzbau ist prädestiniert für die Digitalisierung. Bereits seit Jahrzenten werden 3D- Modelle für die Fertigung verwendet und die Fachkräfte passend geschult. Es hat in den letzten Jahren nur an der Vermarktung dieser Tatsache und Selbstverständlichkeit gefehlt. Nichtsdestotrotz sind nach wie vor immense Potentiale in der Strukturierung und Optimierung von Waren- als auch Arbeitsprozessen vorhanden. Diese Optimierung und Standardisierung ist mit der Digitalisierung gut zu bewerkstelligen. Jedoch sehen viele Unternehmer die Digitalisierung als Mammutaufgabe und für KMU´s nur wenig Notwendigkeit in der Umsetzung. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass Digitalisierung bereits im Kleinen beginnt und zunächst einmal strukturierte und sich immer wiederholende Prozesse fordert. Wenn diese Prozesse zum Beispiel in der Lagerwirtschaft, Zeitwirtschaft oder Buchhaltung dann digital erfasst und verarbeitet werden, ist bereits sehr viel Digitalisierung und Optimierung geschehen. Deshalb stellt sich für mich seit der Veranstaltung in Freiburg die Frage: Digitalisierung? Ja!? Nein! Nicht mehr. Im eigenen Unternehmen wurden in der Zwischenzeit die Prioritäten in den vielzähligen Digitalisierungsbereichen gesetzt und an einer zeitnahen Einführung von Digitaler Zeiterfassung und Online Buchhaltung wird gearbeitet.

Marcel Mohr: Persönlich hat mir das Seminar einen Weitblick gebracht, was in anderen Regionen Deutschlands und in anderen Betrieben so läuft. Ich konnte die Motivation mit nach Hause nehmen Prozesse zu überdenken und ins Digitale Zeitalter weiterzudenken.

Könnt ihr uns einen Ausblick in die Zukunft geben? Was habt ihr für die nächsten Jahre vor?

Julia Rank: Wir haben uns im Vorfeld mit den Landesverbänden vernetzt und arbeiten gemeinsam mit Holzbau Deutschland an den Inhalten zur Nachfolgegestaltung im Bereich Holzbau. Den thematischen Rahmen der Veranstaltungen bildet dabei eine sogenannte „Lieferkette“, welche wir in Berlin entwickelt haben. Bei unserem nächsten Seminar im März 2019 werden wir dann in Hannover genaueres darüber verraten. Prinzipiell möchten wir die Vernetzung untereinander weiter fördern. Mit Kreativität und neuen Ansätzen sollen die Holzbaujunioren/innen zu einer lebendigen Gemeinschaft heranwachsen.

Maximilian Merk: Gemeinsam mit unserer Sprecherin Julia und meinem Partner Marcel wollen wir unseren Beitrag für eine starke, digitalisierte und vor allem vernetzte Plattform leisten. Die kommenden Herausforderungen in der Bauwirtschaft, wie Digitalisierung, Fachkräftemangel und immenser Nachfrage können die „Jungen Holzbauunternehmer/innen“ als auch die gesamte Bauwirtschaft nur gemeinsam meistern. Die Veranstaltungsreihe soll eine unkomplizierte Plattform für aktuelle Fortbildung mit regem Wissens- und Erfahrungsaustausch darstellen.

Marcel Mohr: Im Moment arbeiten wir an einem 5-Jahresplan, welches für jedes Jahr ein Schwerpunktthema bearbeitet, was genau die Zielgruppe des Seminares betrifft. So können wir auch in Zukunft durch einen offenen Austausch neues für uns und unsere Betriebe lernen, um gut vorbereitet den „Unternehmeralltag“ zu meistern.