Nachrichten aus dem Bereich Technik und Umwelt

26.09.2017

Gütesicherung im Holzbau

Gütegemeinschaft Holzbau – Ausbau – Dachbau e.V. widmet sich seit 17 Jahren der Qualitätssicherung im Holz- und Dachbau

Alle Bauherren haben das gleiche Bestreben: eine möglichst hohe und langfristige Qualität für ihr Bauvorhaben zu erzielen. Die Studie „Qualität des Bauens“, herausgegeben von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Dezember 2012, hat ergeben, dass die Bauqualität unterschiedlich wahrgenommen wird, von den Bauherren auf der einen Seite und den ausführenden Unternehmen auf der anderen Seite. Danach sind nur fünf Prozent der privaten Bauherren vollkommen zufrieden mit der Bauqualität. Ähnlich ist es bei den öffentlichen Bauherren. Relativ zufrieden sind immerhin ca. 55 Prozent der privaten und ca. 96 Prozent der öffentlichen Bauherren. 40 Prozent der privaten Bauherren sind mit der Bauqualität nicht zufrieden.

Im Gegensatz dazu haben etwa 97 Prozent der befragten Unternehmer ihre eigenen Leistungen als eher gut eingeschätzt. Als Verbesserungsmaßnahmen zur Erhöhung der Bauqualität schlagen die befragten Bauherren insbesondere mehr Kontrollen während der Ausführungsphase vor. Diese Aussage sollte alle am Bau Beteiligten dazu bewegen, sich Gedanken über die Güte der erbrachten Leistungen und Produkte zu machen, um deren Qualität langfristig und nachhaltig zu sichern.

Im Holzbau wurde im Jahr 2000 die Gütegemeinschaft Holzbau – Ausbau – Dachbau e.V. (GHAD) gegründet. Die Initiative ging von Mitgliedsbetrieben des damaligen Bundes Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes aus, heute Holzbau Deutschland. Als Zweck des Vereins wurde in der GHAD-Vereinssatzung festgelegt: „Die Gute und Qualität der Herstellung, der Montage und des Ausbaues von Holzbauwerken, Bauwerken und Bauteilen aller Art ist zu sichern, insbesondere auf dem Gebiet des Holzhausbaues, des Zweckbaues, des Ingenieurholzbaues […] und des Dachbaues […] sowie des Bauens im Bestand.“

Die GHAD hat heute drei Fachbereiche:
• Dachbau
• Holzhausbau
• Ingenieurholzbau

Die Struktur des Vereins sowie die Prozesse zur Zertifizierung und zur Einhaltung der festgelegten Bestimmungen wurden zusammen mit dem RAL – Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. erarbeitet und von diesem anerkannt.

In Anlehnung an das baurechtliche Zertifizierungssystem zur Regelung von Bauprodukten wurde im Holzbau ein Gütesicherungsverfahren erarbeitet, das sich an dem System der statischen Qualitätssicherung orientiert. Grundbausteine der Gütesicherung sind eine kontinuierliche Eigenüberwachung sowie eine unabhängige Fremdüberwachung. Allen RAL-Gütesicherungssystemen im Holzbau liegen Gute- und Prüfbestimmungen zugrunde.

Eigenüberwachung

Jeder Gütezeichenbenutzer verpflichtet sich, die Prozessablaufe eigenständig zu überwachen und zu dokumentieren. Dabei gliedert sich die Eigenüberwachung in die drei Bereiche Wareneingangskontrolle, Eigenüberwachung zur Herstellung vorgefertigter Holzbauteile und Eigenüberwachung zur Montage auf der Baustelle. Darüber hinaus ist das Unternehmen verpflichtet, die Vollständigkeit der bautechnischen Unterlagen, bezogen auf die baurechtlichen und gütegesicherten Leistungen, zu kontrollieren.

Fremdüberwachung

Die regelmäßige Fremdüberwachung dient der Feststellung, ob die in den Gute- und Prüfbestimmungen genannten Anforderungen eingehalten werden. Unabhängige, fachlich geeignete Überwachungsstellen fuhren die Fremdüberwachung stichprobenartig durch. Unter anderem fragen sie folgende Kriterien ab: Dokumentation der Eigenüberwachung, Umsetzung der bautechnischen Vorgaben, Einhaltung der geforderten Toleranzen. Außerdem wird geprüft, ob die erforderlichen bautechnischen Unterlagen vorliegen und den Anforderungen der Gute- und Prüfbestimmungen entsprechen, die verwendeten Materialien baurechtskonform sind, erforderliche Montageunterlagen vorliegen und ob bei der Montage die Anerkannten Regeln der Technik sowie die Anforderungen aus den Gute- und Prüfbestimmungen eingehalten werden.

Im Unterschied zu anderen Qualitätssicherungssystemen im Bauwesen ist das im Holzbau eingeführte Gütesicherungssystem nicht bauwerksbezogen, sondern unternehmensbezogen. Die bauwerksunabhängige Betrachtung der Prozessablaufe bringt dem Unternehmen Vorteile, weil sich eine nachhaltige Kontinuität im Prozessablauf einstellt. Dabei werden baurechtliche und gütegesicherte Anforderungen berücksichtigt und somit eine baurechtskonforme Produktion ermöglicht.

Zertifizierung

Ein RAL-Gütezeichen kann nur auf Grundlage einer positiv verlaufenen Fremdüberwachung verliehen werden. Der erstellte Bericht dient der Kontrolle der Einhaltung von Anforderungen und zur Optimierung des internen Prozessablaufes.

Vorteile der Gütesicherung

Die Gütesicherung bietet Bauherren und Planern die Möglichkeit, sich bewusst für ein gütegesichertes Unternehmen zu entscheiden und die Fehlerwahrscheinlichkeit im Prozessablauf zu minimieren. Zudem ist das Unternehmen mit dem aktuellen Stand der Technik vertraut, wendet nur den Anforderungen entsprechende Baustoffe an, das Mehraugenprinzip senkt die Fehlerwahrscheinlichkeit und die Verringerung des Fehlerrisikos führt zur Kostenminimierung. Vergabeverfahren lassen sich durch die Forderung zur Gütesicherung verkürzen und Produktionsablaufe sind später nachvollziehbar. Auch geldgebende Institute wie Banken und Versicherungen erkennen den Mehrwert gute gesicherter Leistungen im Bauwesen an und stellen Finanzierungsvorteile bereit.

Weitere Informationen:
www.ghad.de

www.ral.de

www.ral-holzhaus.de



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Definition der technischen Schriften

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