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05.05.2026
Holzbau fördert Klimareparatur – baurechtliche Gleichstellung gefordert
2. Internationales Holzbau Symposium/Gipfel Nachhaltiges Bauen und Wohnen
Unter dem Leitmotiv „Bauen mit Holz: der Wirtschaftsfaktor für den Klimaschutz“ kamen am 29. April 2026 Spitzenvertreter aus Wissenschaft, Politik und Bauwirtschaft zum 2. Internationalen Holzbau Symposium mit dem Gipfel Nachhaltiges Bauen und Wohnen in Berlin zusammen. Die zentrale Botschaft der Veranstaltung, die von der Fördergesellschaft Holzbau und Ausbau mbH im Auftrag von Holzbau Deutschland, dem Holzbau Deutschland Institut und Bauhaus Erde ausgerichtet wurde: Der serielle Holzbau ist die einzige global skalierbare Technologie, um die Klimakrise aktiv abzumildern und gleichzeitig dringend benötigten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Doch veraltete Bauordnungen und nicht-evidenzbasierte Richtlinien bremsen diese Bauwende in Deutschland massiv aus.
Der Vorsitzende von Holzbau Deutschland, Peter Aicher, freute sich über das große Interesse von Politik und Holzbau-Experten am 2. Holzbau Symposium, das den Baustoff Holz erneut in den Fokus rückte und zahlreiche Ideen für die zukünftige Entwicklung des Holzbaus offerierte. Er forderte, dass der Klimaschutz von der Politik und Gesellschaft als zentrales Anliegen vorangebracht und der klimapositive Baustoff Holz gleichberechtigt mit anderen Baustoffen betrachtet wird. Nur so kann der Holzbau sein Potenzial für die Wirtschaft und den Klimaschutz gleichermaßen gewinnbringend einsetzen.
„Wirtschaft und Bausektor können von effektivem Klimaschutz profitieren“, betonte auch Bundeskanzler Friedrich Merz in seinem schriftlichen Grußwort an die Veranstalter. „Wenn es darum geht, im Gebäudebereich die Klimaschutzziele zu erreichen, dann ist das Bauen mit Holz eine zukunftsweisende Option – gerade in Deutschland. (…) Serielles Bauen mit Holz dient dem Klima und schafft schnell neuen Wohnraum“. Der Bundeskanzler zitierte zudem Albert Einstein mit den Worten: „Klugheit bewährt sich in der Fähigkeit zur Veränderung“.
Diesen Ball nahm Adrian Blödt, Präsident des Holzbau Deutschland Instituts, in seiner Eröffnungsrede auf und forderte von der Politik einen Paradigmenwechsel: „Es grenzt an Wahnsinn, 50 Jahre lang immer das Gleiche zu tun und zu erwarten, dass sich beim Klima oder der Wohnungsnot etwas ändert. Wir fordern keine Dauersubventionen, sondern endlich fairen Wettbewerb. Wir brauchen die sofortige baurechtliche Gleichstellung des Holzbaus mit dem Massivbau auf Basis wissenschaftlicher Evidenz.“
Wissenschaft warnt vor dem Kollaps des industriellen Metabolismus
Wie drängend dieser Paradigmenwechsel ist, machten die Keynotes der Spitzenforscher deutlich. Prof. Dr. Helga Weisz vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), zeigte auf, dass mineralische Baumaterialien mittlerweile 48 Prozent der weltweiten Materialextraktion ausmachen. Bundesbauministerin Verena Hubertz bestätigte in ihrem Vortrag die dramatischen Folgen. Der Bausektor, so Hubertz, sei für 40 Prozent der CO2-Emissionen und 90 Prozent des Verbrauchs mineralischer Baustoffe verantwortlich.
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und Gründer von Bauhaus Erde, betonte, dass reine Emissionsvermeidung nicht mehr ausreiche, um einen katastrophalen Klimawandel – inklusive eines möglichen Abreißens des Golfstroms – abzuwenden. Vielmehr müsse die „Wald-Bau-Pumpe“ aktiviert werden. „Wir müssen durch nachhaltige Forstwirtschaft der Atmosphäre CO2 entziehen und den Kohlenstoff langfristig in unseren Gebäuden speichern“, so Prof. Schellnhuber. Dies sei die einzige realistische Form der Klimareparatur.
Die 400-Quadratmeter-Falle: Bürokratie bremst Klimaschutz
In den hochkarätig besetzten Diskussionsrunden wurde deutlich, woran die Umsetzung in der Praxis hakt, nämlich an fehlender Chancengleichheit und überbordender Bürokratie. Ein drastisches Beispiel, das Adrian Blödt in die Diskussion einbrachte, ist die Musterholzbaurichtlinie für die Gebäudeklasse 5: während die Bauordnung für den Massivbau Brandabschnitte von 1.600 Quadratmetern zulässt, wird der Holzbau pauschal auf 400 Quadratmeter beschränkt – und das, obwohl nachweislich vollgekapselte Holzkonstruktionen dem Brandverhalten von Massivbauten entsprechen. Gleiches gilt für die stigmatisierende Bewertung natürlicher Holz-Emissionen (VOC, Volatile Organic Compounds), etwa der Kiefer, durch pauschale Summenwerte des Umweltbundesamtes, die den Einsatz regionaler, klimaresilienter Hölzer im Hausbau blockieren.
Die anwesende Politik signalisierte Handlungsbereitschaft. Christian Gaebler (SPD), Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen des Landes Berlin und Vorsitzender der Bauministerkonferenz (BMK), nahm die Problematik der 400-Quadratmeter-Beschränkung ernst und sprach von einer „Ermöglichungskultur“. Er kündigte an, notfalls politische Entscheidungen gegen das Zögern der Fachgremien durchzusetzen, um bundesweit einvernehmliche und innovationsfördernde Regeln für den Holzbau zu schaffen.
Bundesbauministerin Verena Hubertz bekräftigte den Willen der Regierung, Planungs- und Genehmigungsverfahren mit der Novelle des Baugesetzbuches drastisch zu beschleunigen und zeigte sich entschlossen, die Holzbauinitiative bis 2030 weiterzuführen. Michaela Kaniber, bayerische Staatsministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (CSU), betonte die Notwendigkeit des aktiven Waldumbaus, für den allein Bayern jährlich 91 Millionen Euro investiert. Sie warnte Europa davor, den heimischen Rohstofflieferanten durch überzogene Regularien wie beispielsweise die EU-Entwaldungsverordnung in ihrer Wettbewerbsfähigkeit einzuschränken.
Bauwende jetzt: Appell für kluge Innovationsförderung und klimagerechtes Bauen
Das Holzbau Symposium schloss mit einem eindringlichen Appell von Adrian Blödt an die Politik und Verwaltungen: „Wir müssen endlich weg von der Frage ‚Warum geht etwas nicht?‘, hin zu einem innovationsfördernden Mindset und einer echten Ermöglichungskultur. Der Holzbau hat die Lösungen für bezahlbares, serielles und klimagerechtes Bauen längst auf dem Tisch – man muss uns nur machen lassen.“
Weitere Informationen, Impressionen, Interviews und Pressemitteilungen zum Holzbau Symposium sind auf der Veranstaltungswebsite zu finden unter www.holzbau-veranstaltungen.de/holzbau-symposium-2026

