Presseinformation

05.10.2018

Fachversammlung von Holzbau Deutschland kritisiert LCEE-Studie über Ökobilanz von Gebäuden

In letzter Zeit häufen sich Medienberichte, die behaupten, das Beratungsinstitut LCEE hätte in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen, dass die Ökobilanz und die Klimaschutzleistung von Holzgebäuden nicht besser sei als die von Gebäuden aus Mauerwerk, sondern sogar schlechter. Die Fachversammlung von Holzbau Deutschland, die Ende September in Berlin tagte, kritisiert die Studie „Betrachtungen zur Nachhaltigkeitsqualität der Holzbauweise im Wohnungsbau“ des LCEE als interessensgeleitete und ergebnisorientierte Auftragsarbeit, in der die Ergebnisse für den Mauerwerksbau schöngerechnet werden.

So wird beispielsweise der Betrachtungszeitraum zur Berechnung der ökobilanziellen Gesamtergebnisse, der bei einer normgerechten Bilanzierung (DIN EN 15978) genau 50 Jahre beträgt, auf 80 Jahre ausgedehnt, um sich ab dem 51. Jahr nicht mehr an die von der Norm vorgegebenen Rahmenbedingungen halten zu müssen. Zwar wird im umfangreichen Text darauf hingewiesen, dies fällt jedoch aufgrund der Fülle an Detailinformationen nicht auf und wird von vielen Fachleuten übersehen. Auch wird in der Studie einfach angenommen, dass nach 70 Jahren bei einem Holzgebäude die komplette Außenwandkonstruktion ausgetauscht werden muss. Für diese Annahme gibt es jedoch keinerlei empirische Grundlage. Sie ist rein willkürlich und dient wohl nur dem Zweck, das vom Auftraggeber gewünschte Ergebnis zu erzielen. Mit seriöser Wissenschaft hat das nichts mehr zu tun. In der vom Bayerischen Wirtschaftsministerium und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt herausgegebenen Studie „Lebenszyklusanalyse von Wohngebäuden“ wird im Kapitel „1.2 Wissenschaftlich-technischer Stand“ auf die Unwissenschaftlichkeit der LCEE-Studien von Graubner und Pohl ausdrücklich hingewiesen.

Der Vorsitzende von Holzbau Deutschland Peter Aicher mahnte zu mehr Sachlichkeit und betonte, dass der Holzbau weiter faktenorientiert informieren werde. „Wir setzen uns für ein zukunftsorientiertes, nachhaltiges Bauen ein. Dabei liegt der Schlüssel vieler Bauaufgaben sogar in der intelligenten Kombination der verschiedenen Baumaterialien. Es geht darum die Baustoffe entsprechend ihrer Vorteile optimal einzusetzen. So eignet sich beispielsweise die Holzbauweise besonders gut für die städtische Nachverdichtung in Form von Aufstockungen und Lückenschließungen. Sie ist nicht nur vergleichsweise schnell, flexibel und präzise, sondern leistet als nachhaltige, klima- und ressourcenschonende Bauweise einen wichtigen Beitrag, um den globalen Herausforderungen wie Klimawandel oder Übernutzung unserer Ressourcen zu begegnen.“

Seriös gerechnete Studien können hier abgerufen werden:
König, Holger (2017): Lebenszyklusanalyse von Wohngebäuden. Lebenszyklusanalyse mit Berechnung der Ökobilanz und Lebenszykluskosten. Endbericht. Hg. v. Bayerisches Landesamt für Umwelt. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. legep.de/wp-content/uploads/Endbericht-Lebenszyklusanalyse_von_Wohngebaeuden.pdf

Hafner, A.; Rüter, S.; Ebert, S. (2017): Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden. Umsetzung neuer Anforderungen an Ökobilanzen und Ermittlung empirischer Substitutionsfaktoren. Abschlussbericht THG Holzbau. Bochum. https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn058600.pdf

Hafner, Annette; Rüter, Sebastian (2018): Method for assessing the national implications of environmental impacts from timber buildings-an exemplary study for residential buildings in Germany. In: Wood and fiber science: journal of the Society of Wood Science and Technology (50 (special issue)), pp. 139-154. wfs.swst.org/index.php/wfs/article/view/2682



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