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Ausgabe 29/2014 v. 12.12.14

"ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN": Absturz bei der Demontage eines Dachstuhls

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zimmermeisterinnen und Zimmermeister,

im Rahmen der Kampagne „ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN – Mehr Sicherheit im Holzbau“ präsentieren wir Ihnen im ZIMMERMEISTER-INTERN Aktuell regelmäßig Unfallberichte. Ziel ist es, dass Sie dadurch für ein Mehr an Arbeitssicherheit sensibiliert werden. Dieses Mal geht es um einen Unfall bei der Demontage eines Dahlstuhles. Sie erfahren auch, wie er hätte vermieden werden können. 

Unfallort und Situation

Ein Zimmereibetrieb wurde unter anderem damit beauftragt, den alten Dachstuhl eines Einfamilienhauses abzureißen. Nachdem die Dacheindeckung, inklusive Lattung und Sparren, entfernt worden war, sollten anschließend die beiden auf Stielen stehenden Mittelpfetten demontiert werden. Diese Arbeiten wurden von zwei Mitarbeitern des Zimmereibetriebes durchgeführt.

Unfallhergang

Zunächst wurde die erste Mittelpfette samt den dazugehörigen Stielen demontiert. Anschließend wurden die demontierten Hölzer mittels Kettensäge vor Ort auf der Decke in ca. ein Meter lange Stücke geschnitten. Bevor mit dem Rückbau der zweiten Mittelpfette begonnen werden konnte, kippte diese mit den Stielen um und traf einen der beiden Zimmerer am Oberkörper. 

Zu diesem Zeitpunkt stand der 37-Jährige in der Nähe der ungesicherten Traufkante des Hauses. Durch die Wucht der umstürzenden Pfette verlor der Beschäftigte das Gleichgewicht und stürzte über die ca. 2,80 m hohe Deckenkante auf den Boden. Durch den Unfall erlitt der Beschäftigte diverse Prellungen und eine Absplitterung im rechten Knie. Aufgrund des Unfalls war er für ca. fünf Monate arbeitsunfähig.

Unfallvermeidung

Der Unfall wurde durch die mangelhafte Standsicherheit der Holzkonstruktion „Mittelpfette auf Stielen“ im Zusammenwirken mit der fehlenden Schutzmaßnahme gegen Absturz an der Deckenkante ausgelöst. Ob die Verletzungen eventuell noch schwerwiegender gewesen wären, wenn der Verletzte nicht abgestürzt, sondern unter die umgekippte Pfette geraten wäre, ist Spekulation. Daher soll das nicht weiter hinterfragt werden. 

Für den Rückbau gilt, genauso wie für die Montage, dass auch Bauzwischenzustände standsicher sein müssen. Deshalb hätten die Stiele der Mittelpfetten vor der Demontage des restlichen Dachstuhls durch Abstützungen gesichert werden müssen. Die über zwei Meter hohen Deckenkanten hätten vor Beginn der Arbeiten gegen Absturz gesichert werden müssen, zum Beispiel in Form eines Fanggerüstes.

Um vorausschauend zu handeln, ist der Unternehmer verpflichtet, sich vor Beginn der Arbeiten Gedanken über mögliche Gefährdungen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu machen und diese anschließend zu dokumentieren. Dies wurde im vorliegenden Fall jedoch unterlassen. In Verbindung mit der Gefährdungsbeurteilung hätte außerdem eine Abbruchanweisung erstellt werden müssen.

Alternativen zum Einsatz von Handkettensägen

Außerdem ist zu diesem Unfall noch angemerkt: Aufgrund der Vielseitigkeit und der scheinbar einfachen Handhabung wird das Risiko beim Umgang mit Kettensägen unterschätzt. Eine Gefährdungsbeurteilung hätte ergeben, dass die Kettensäge für das Zerkleinern der Hölzer nicht das geeignete Arbeitsmittel ist. In Abhängigkeit der durchzuführenden Arbeiten unter Berücksichtigung der Rangfolge der Schutzmaßnahmen gibt es alternative Maschinen zur Handkettensäge. Einen Überblick darüber gibt der Artikel "Alternativen zum Einsatz von Handkettensägen", der in der BauPortal-Ausgabe 5/2013 erschienen ist. Den vollständigen Artikel können Sie sich als PDF hier downloaden.

Praxishilfen und Checklisten

Eine nicht ausreichende Gefährungsbeurteilung führte zu diesem Unfall. Wie Sie als Unternehmer diese angehen können, erfahren Sie auf der Internetseite www.absichern-statt-abstuerzen.de. Unter anderem werden Praxishilfen und Checklisten bereitgestellt.

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