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Ausgabe 23/2015 v. 09.12.15

"ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN": Unfall mit einem Druckluftnagler!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zimmermeisterinnen und Zimmermeister,

es sind manchmal viele Vorschriften zu beachten, wenn ein Gerät auf einer Baustelle zum Einsatz kommen soll. Allerdings hätte der in diesem ZIMMERMEISTER-INTERN Aktuell im Rahmen der Präventionskampagne "ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN" geschilderte Unfall vermieden werden können, wenn die Vorschriften zur Arbeitssicherheit mit Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung korrekt angewandt worden wären. Verbessern Sie die Arbeitssicherheit in Ihrem Betrieb durch das Lesen dieser Unfallbeschreibung.

Unfallort und Situation

Ein Zimmerer hatte mit seinen zwei Kollegen den Arbeitsauftrag, neue Brandschutzplatten als Deckenverkleidung zu montieren. Für diese Tätigkeit nutzten die Mitarbeiter ein Podestgerüst von 2 x 2 Metern und einen Druckluftnagler mit Kontaktauslöser und Einzelschussabzug.

Unfallhergang

Die erste Lage der Brandschutzplatten war bereits montiert worden. Es sollte damit begonnen werden, die zweite Lage anzuschießen. Dazu haben zwei Mitarbeiter die Brandschutzplatte an die Decke gehalten. Ein weiterer Mitarbeiter hatte die Aufgabe, die vorhandene Platte mit dem Druckluftnagler zu fixieren. Nachdem die Platte angeschossen war, wollte ein Kollege den Druckluftnagler absetzen. Dabei löste sich ein Schuss und traf einen Kollegen in die Brust. Dieser zog sich schwere Verletzungen zu.

 

Unfallvermeidung

Es gibt mehrere Ursachen, die zu diesem Unfall geführt haben!

Erstens erfolgte keine Gefährdungsbeurteilung für die Eignung des genutzten Arbeitsmittels für den konkreten Verwendungszweck und -ort. Diese ist gemäß § 3 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in Verbindung mit Punkt 3.1 „Bereitstellung von Arbeitsmitteln“ der Technischen Regel für Betriebssicherheit, TRBS 1111 „Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung" vorgeschrieben.

Bei der Auswahl eines geeigneten Arbeitsmittels muss dieses für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sein. Bei der bestimmungsgemäßen Benutzung dieses Geräts müssen die Sicherheit und der Gesundheitsschutz gewährleistet sein. Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass das Arbeitsmittel, in diesem Fall handelte es sich um das Eintreibgerät TJP Modell PQZ-64, nur benutzt wird, wenn es für die vorhergesehene Verwendung geeignet ist. So schreibt es § 2.1 der Unfallversicherungsvorschrift (UVV) „Grundsätze der Prävention“ in Verbindung mit § 4 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) vor.

Zweitens erfolgte keine Unterweisung anhand der Betriebsanweisung, wie es in der Gefährdungsbeurteilung unter Punkt 4.1 als Maßnahme bestimmt ist. Eine Betriebsanweisung ist im Gegensatz zu einer Betriebsanleitung ein Dokument, welches ausschließlich auf Gefahren hinweisen und Schutzmaßnahmen aufzeigen soll. Diese Betriebsanweisung wurde nicht erstellt, noch wurden die Beschäftigten entsprechend unterwiesen. Aber durch die Durchführung dieser Betriebsanweisung wäre deutlich geworden, dass es für den vorgesehenen Einsatz des Eintreibgeräts eine Verwendungseinschränkung mit der Auslösesicherung „Kontaktauslösung“ gegeben hätte. 

Die Verwendung eines Eintreibgerätes, das auf Arbeitsplätzen mit wechselnden und über Gerüsten zu erreichenden Eintreibstellen betrieben wird, muss mit einer Auslösesicherung „Einzelauslösung mit Sicherungsfolge“ oder „Einzelauslösung mit Auslösesicherung“ ausgerüstet sein. Siehe dazu auch Baustein B 29 „Nagler“ auf den Seiten der BG BAU

Als Fazit ist festzustellen, dass das Eintreibgerät TJP Modell PQZ-64 mit der Auslösesicherung „Kontaktauslösung“ auf dem Arbeitsplatz nicht hätte verwendet werden dürfen. Wären die erforderlichen Schritte durchgeführt worden, wäre es nicht zu diesem Unfall gekommen.

Praxishilfen und Checklisten

Umfangreiche Informationen zur Arbeitssicherheit im Holzbau mit Praxishilfen und Checklisten finden Sie auf der Internetseite www.absichern-statt-abstuerzen.de. Nutzen Sie diese Angebote!

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Gefragt sind nicht nur Fotos. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Collage oder eine Bildgeschichte einzureichen. Ihrer Fantasie in der Umsetzung sind keine Grenzen gesetzt. 

Weitere Informationen unter www.absichern-statt-abstuerzen.de/veranstaltungen/fotowettbewerb/ 

 

Mit freundlichen Grüßen

Holzbau Deutschland - Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes

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