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Ausgabe 20/2014 v. 26.08.14

"ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN": Vermeidung von Abstürzen durch ein Treppenauge

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zimmermeisterinnen und Zimmermeister,

Sie erhalten einen weiteren ZIMMERMEISTER-INTERN AKTUELL im Rahmen der Präventionskampagne "ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN - Mehr Sicherheit im Holzbau". Regelmäßig beschreiben wir Ihnen auf diesem Weg Unfälle im Holzbau, um Sie für ein Mehr an Arbeitssicherheit zu sensibilisieren. Dieses Mal wird ein Absturz durch ein Treppenauge ins Gebäudeinnere geschildert. 

Unfallort und Situation

An einem Einfamilienhaus sollte die Dachkonstruktion errichtet werden. Hierzu waren Vorkonstruktionen durchgeführt worden. Der vormontierte Rähm war auf die Unterkonstruktion aufgestellt. Die vier Gratsparren waren auf den Rähm aufgelegt und konstruktiv an den Fußpfetten angeheftet worden. Die vier Hauptsparren, zwei je Seite, waren ebenfalls bereits auf den Rähm aufgelegt und an den Fußpfetten angeheftet worden. Dann stellte man fest, dass die Stiele des Rähms zu lang waren und die Hauptsparren nicht richtig auf dem Rähm auflagen.

Unfallhergang

An sich hätte nun die Gesamtkonstruktion wieder getrennt werden müssen und die Stiele der Rähme entsprechend gekürzt werden müssen. Diese Arbeit wollte man sich ersparen.

Daher wurde die Anweisung erteilt, dass mittels Kran die gesamte Konstruktion einseitig ein wenig angehoben werden sollte, um die Stiele kürzen zu können. Beim Anheben der Gesamtkonstruktion rutschten die Gratsparren und die Hauptsparren vom Rähm und die gesamte Konstruktion brach zusammen. Dadurch fiel ein Mitarbeiter von seinem nicht standsicheren Arbeitsplatz aus ca. 6 m Höhe in das ungesicherte Treppenhaus und holte sich schwere Verletzungen, an denen er später im Krankenhaus starb.

Unfallvermeidung

Mehrere Faktoren sind ursächlich für diesen Unfall:

• Arbeiten auf einem nicht ausreichend breiten und gesicherten Arbeitsplatz,
• Absturzhöhen von mehr als 2 m sowie
• das unzulässige Anheben einer gesamten Konstruktion, welche dafür nicht vorgesehen ist.

Als Arbeitsplatz wählte der Mitarbeiter die vorhandenen Sparren der Holzbalkendecke. Das ist eindeutig ein nicht geeigneter Arbeitsplatz, wie auch die späteren Unfallfolgen zeigten.

Im Wohnungsbau ist es sehr häufig, dass in den Treppenhäusern nur ein Seitenschutz gegen Absturz errichtet wird. Wenn jedoch die Zimmererarbeiten ausgeführt werden, besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter in das Treppenauge fallen. Dadurch ist die Absturzhöhe so groß, dass Abstürze häufig schwerste Verletzungen oder gar den Tod nach sich ziehen. Daher hätte das Treppenauge gegen Absturz gesichert werden müssen, beispielsweise durch eine Abdeckung.

Als letzten Punkt ist zu nennen, dass die Konstruktion mit dem Kran angehoben wurde, obwohl sie dazu nicht geeignet gewesen war. Die Konstruktion war in einem Zwischenbauzustand und für die wirkenden Kräfte aufgrund des Anhebens des Krans nicht dimensioniert. Hierdurch kam es zum Zusammenbruch der Konstruktion. 

Wenn mindestens eine der drei oben beschriebenen Ursachen den Regelungen entsprechend ausgeführt bzw. umgesetzt worden wäre, hätte man die tödlichen Folgen des Arbeitsunfalls wahrscheinlich vermeiden können.

Praxishilfen und Checklisten

Umfangreiche Hinweise zur Arbeitssicherheit finden Sie auf der Internetseite www.absichern-statt-abstuerzen.de der Kampagne für mehr Sicherheit im Holzbau „ABSICHERN STATT ABSTUERZEN“. Unter anderem werden Praxishilfen und Checklisten bereitgestellt.

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