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Ausgabe 14/2014 v. 20.05.14

"ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN": Stürze bei Dacharbeiten vermeiden

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zimmermeisterinnen und Zimmermeister,

erneut schildern wir Ihnen im ZIMMERMEISTER-INTERN AKTUELL einen Unfallhergang, um Sie für die Unfallgefahren bei Ihren täglichen Arbeiten zu sensibilisieren. Sorgen Sie durch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen für ein Mehr an Sicherheit in Ihrem Betrieb.

Unfallort und Situation

Ein süddeutscher Zimmereibetrieb hatte den Auftrag, einen Anbau an ein bestehendes Gebäude zu erstellen. Der Anbau hatte eine Länge von ca. 5 m und eine Breite von ca. 3,5 m. Die Traufhöhe betrug 3,1 m und die Firsthöhe ca. 3,8 m bei einer Dachneigung von ca. 11 Prozent.

Auf die vorhandene Bodenplatte wurden Fachwerkwände aufgestellt. Die Unterkonstruktion für das Dach bestand aus den Dachsparren, welche an der Traufe auf der Fachwerkwand und an der Gebäudewand auf einer angeschraubten Pfette auflagen. Die Dacheindeckung sollte mittels Blechdach erfolgen. Hierfür war die Verschalung der Dachfläche oberhalb der Sparren mittels rauen Schalbrettern erforderlich.

An der Traufseite wurde vom Zimmereibetrieb ein firmeneigenes Layher-Blitz-Gerüst mit zwei längsorientierten Belägen und einer Belagshöhe von ca. 2,2 m aufgestellt. Auf der Belagsebene wurde ein dreiteiliger Seitenschutz angebracht. An beiden Giebelseiten des Anbaus wurde angesichts der relativ geringen Absturzhöhe und aus Zeitgründen auf das Aufstellen eines Schutzgerüstes verzichtet.

Unfallhergang

Am Unfalltag war der 41-jährige Aufsichtsführende und spätere Verletzte mit einem Mitarbeiter dabei, vom Arbeitsgerüst aus die ersten Schalungsbretter im Traufbereich aufzubringen. Diese wurden mittels eines Pressluftnaglers auf die Sparren befestigt. Die beiden verlegten von dort aus einige Schalbretter. Anschließend begaben sie sich auf die vorhandene Schalungsebene auf der Dachfläche. Der Mitarbeiter verlegte dort die Schalbretter lose auf die Sparren und der spätere Verletzte befestigte diese mittels des Naglers auf den Sparren.

Beim Umsetzen auf der Schalungsebene betrat der spätere Verletzte ein noch nicht befestigtes Schalbrett. Durch die Belastung verrutschte das Schalbrett. Der spätere Verletzte verlor dadurch das Gleichgewicht und stürze über die Traufseite ca. 3,3 m auf den darunterliegenden Pflasterboden. Beim Auftreffen auf den Boden zog er sich schwere Schädelverletzungen zu. Der Mitarbeiter konnte nur noch Erste Hilfe leisten und die Rettungskette in Gang setzen.

Unfallvermeidung

Unfallursächlich für dieses Ereignis war, dass an Arbeitsplätzen und Verkehrswegen auf Dächern bei mehr als 3 m Absturzhöhe keine Einrichtungen vorhanden waren, die ein Abstürzen von Personen verhindern. 

Weiterhin hatte es der Unternehmer versäumt, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen bzw. zu dokumentieren. Bei dieser Erstellung wäre er unweigerlich auch auf die Problematik eines Absturzes gestoßen und hätte entsprechende Maßnahmen festlegen müssen.

Auch die mindestens einmal jährlich durchzuführende Unterweisung der Mitarbeiter wurde nicht durchgeführt. Bei diesen Unterweisungen werden die Mitarbeiter immer wieder auf die Gefährdungen bei ihrer Arbeit hingewiesen und erforderliche Sicherungsmaßnahmen erläutert.

Hätten alle beteiligten Personen die aus ihrer Verantwortung entstehenden Pflichten wahrgenommen, wäre der Unfall in dieser Schwere vermutlich verhindert worden. Daher muss es immer heißen: „ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN"!

Praxishilfen und Checklisten

Hier setzt die Kampagne für mehr Sicherheit im Holzbau „ABSICHERN STATT ABSTUERZEN“ an. Sie finden zahlreiche Praxishilfen und Checklisten auf der Internetseite: www.absichern-statt-abstuerzen.de.

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