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Ausgabe 02/2015 v. 30.01.15

"ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN": Absturz von einem Bockgerüst

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zimmermeisterinnen und Zimmermeister,

auch im Jahr 2015 werden wir Ihnen mit dem ZIMMERMEISTER-INTERN Aktuell regelmäßig Unfallberichte im Rahmen der Kampagne „ABSICHERN STATT ABSTÜRZEN – Mehr Sicherheit im Holzbau“ präsentieren. In dieser Ausgabe geht es um den Absturz vom einem Bockgerüst und wie der Unfall hätte vermieden werden können.

Unfallort und Situation

Eine Zimmerei hatte den Auftrag, einen eingeschossigen Anbau in Holzrahmenbauweise als Erweiterung einer Gaststätte zu errichten. Zum Unfallzeitpunkt stand der Rohbau bereits. Die Kolonne war an diesem Tag mit der Erstellung des regensicheren Unterdachs beschäftigt. Es war eine Vollschalung mit einer Unterspannbahn zu errichten.

Da das neue Dach des Anbaus in das vorhandene Dach der bestehenden Gaststätte ragt, entstand an diesem Schnittpunkt eine Kehle. Diese sollte am Unfalltag kurz vor Feierabend von einem dreißigjährigen Hilfsarbeiter provisorisch abgedichtet werden. Neben ihm waren noch drei weitere Mitarbeiter der Zimmerei auf der Baustelle.

Als Arbeitsplatz bzw. als Zugang zum Dach diente ein kurbelbares Bockgerüst, bestehend aus zwei Böcken und einem systemfremden ca. 5 m langem und 0,5 m breitem Alubelag. Das Gerüst war auf eine Höhe von ca. 2 m bis 2,5 m ausgefahren und der Zugang erfolgte über eine Stehleiter. Die Trauf- und somit mögliche Absturzhöhe von der Dachfläche lag bei ca. 3,3 m. Ein Dachfanggerüst fehlte an dieser, wie auch an jeglicher anderer Stelle auf dieser Baustelle.

Unfallhergang

Zum Zeitpunkt des Unfalls befand sich das Unfallopfer auf dem Bockgerüst und wollte eine Plane vom LKW holen. Rückwärtsgehend näherte er sich der an dieser Stelle unzulässigen Stehleiter, um das Gerüst zu verlassen. Dabei stolperte der Arbeiter. Laut seiner Aussage hätten sich jedoch keine Gegenstände auf der Belagsfläche befunden.

Er prallte seitlich mit der Schulter auf den Belag, rollte zur Seite und stürzte auf der dem Bau zugewandten Seite von dem Gerüst. Der junge Mann erlitt beim Absturz eine Prellung im Bereich des Brustkorbes. Seine gute körperliche Verfassung hat vermutlich dazu beigetragen, dass er sich keine größeren Verletzungen zugezogen hat.

Unfallvermeidung

Die Tatsache, dass an der Absturzstelle große Wandöffnungen für Fenster waren, hat den Unfall nicht begünstigt. Da das Gerüst deutlich weiter als 0,30 m vom Baukörper entfernt war, wäre das Ereignis auch an einem bereits beplankten Wandstück eingetreten. Somit hätte hier nur ein dreiteiliger innenliegender Seitenschutz helfen können. Als Dachfanggerüst hätte die hier verwendete Gerüstform ohnehin nicht dienen können.

Der vor Ort noch vorhandene Gerüstbelag war in einem Bereich bereits mit einer aufgepoppten Aluminiumplatte instand gesetzt worden. Wenn dieser Belag benutzt wird, kann es durchaus sein, dass diese ca. 5 mm hohe Kante bei der Rückwärtsdrehbewegung zum Stolpern führt.

Eine Gefährdungsbeurteilung konnte von dem Unternehmer nicht vorgelegt werden. Das Bockgerüst als Arbeitsmittel, der fehlende innenliegende Seitenschutz sowie die Fehlhandhabung der Stehleiter deuten unter Umständen auf ein defizitäres Arbeitsschutzsystem hin.

Praxishilfen und Checklisten

Wie können Sie selbst solche Unfälle vermeiden? Wie führen Sie die Gefährungsbeurteilung durch?  Praxishilfen und Checklisten finden Sie auf der Internetseite www.absichern-statt-abstuerzen.de. Nutzen Sie diese Angebote!

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