Reden

06.05.2011

Überblick über die wirtschaftliche Lage des Holzbaus in Deutschland

Bremen, Pressegespräch anlässlich des Bundeskongresses 2011

Ullrich Huth, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, stellte im Rahmen eines Pressesgesprächs anlässlich des Bundeskongresses 2011 die Lage des Zimmerer- und Holzbaugewerbes vor.

Sehr geehrte Damen und Herren,
auch im Namen von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes heiße ich Sie herzlich hier in Bremen zu unserem Pressegespräch und unserem Bundeskongress 2011 willkommen.
Ich will unsere heutige Zusammenkunft nutzen, um Ihnen einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Holzbaus in Deutschland zu geben.
Das letzte Jahr 2010 konnten wir mit einem deutlichen Umsatzzuwachs von acht Prozent, so unsere Hochrechnung, abschließen. Wir gehen von einem Umsatz für die Zimmereien und Ingenieurholzbau-betriebe von 5,3 Milliarden Euro für 2010 aus. Das haben wir auch den Konjunktur-programmen der Bundesregierung zu verdanken. Mit dem Auslaufen der Konjunkturpakete wird sich daher auch unser Umsatzzuwachs in diesem Jahr reduzieren. Wir prognostizieren für 2011 dennoch einen Zuwachs vier Prozent, auf 5,5 Mrd. Euro.
Meine Damen und Herren,
in Ihrer Pressemappe finden Sie – druckfrisch – unseren Lagebericht Zimmerer/Holzbau 2011. Ich will Ihnen noch einige Daten zu unserer Branche geben. Die Anzahl der Zimmereibetriebe hat im Jahr 2010 im Vergleich zu 2009 erneut zugenommen. Es gab im Juni 2010 insgesamt 10.810 Betriebe. Der Trend zur Selbständigkeit ist somit ungebrochen, es handelt sich aber überwiegend um Kleinstbetriebe.
Allerdings profitiert unsere Branche in gewissem Maße davon.
Denn die Klein- und Mittelbetriebe unseres Handwerks beauftragen diese Kleinstbetriebe als Nachunternehmer zur Überbrückung eines fallweisen Arbeitskräftebedarfs.
Erfreulich haben sich die Zahlen zu den Lehrlingen im Holzbau entwickelt. Der Beruf des Zimmerers ist bei Berufseinsteigern wieder stärker gefragt. Die Zahl der Berufseinsteiger im ersten Jahr hat sogar um 22,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Insgesamt hoffen wir, dass wir in den kommenden Jahren erstmals wieder zunehmende Ausbildungszahlen erreichen können. Insgesamt befinden sich 5712 Lehrlinge in der Ausbildung. Mit unserer Offensive „Aufstiegsqualifizierung“ haben wir zudem unserem Nachwuchs das Fundament für eine qualifizierte Fortbildung im Zimmererhandwerk gelegt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
über den Schutz unseres Klimas diskutieren wir schon lange. Durch die Ereignisse in Japan ist inzwischen die Forderung nach einer „Energiewende“ aufgekommen. Es ist natürlich begrüßenswert, wenn der Energiebedarf in der Zukunft rein über regenerative Energien gedeckt werden soll - zumal unsere beiden Handwerke ihren Anteil an der Installation von Fotovoltaikanlagen gerne leisten. Wir setzen auf das Energiedach. Vom Schutzdach sind wir längst weg und wollen das Nutzdach zum Energiedach weiterentwickeln.
Aber am effizientesten und am nachhaltigsten wäre es immer noch, verstärkt Energie einzusparen – durch die Ertüchtigung der in die Jahre gekommenen Gebäudesubstanz in Deutschland. Herr Schneider hat dazu Zahlen genannt.
Aber auch im Neubaubereich haben wir große Chancen, künftig Energie einzusparen. Ich will sogar weitergehen:
am Ende steht sogar die Energiegewinnung durch unsere Gebäude an - beispielsweise für die Autos der Zukunft.
Mit unserem breit angelegten Berufsbild bieten die Betriebe des Zimmerer- und Holzbaugewerbes bauliche High-Tech-Lösungen an, die auf der überwiegenden Verwendung nachhaltiger Baustoffe basieren und tragen so zu effizienter und nachhaltiger Energienutzung bei.
Das müssen wir jedoch als Branche noch stärker nach außen kommunizieren und deutlich machen, dass das, was die Neufassung der EU-Gebäuderichtlinie für die Neubauten ab 2019 bzw. 2021 vorsieht, heute schon Standard im Holzbauhandwerk ist.
Ab dem Jahr 2021 müssen alle neuen Gebäude als sogenannte „Fast-Nullenergiegebäude“ errichtet werden. Für die öffentlichen Bauten gilt das schon 2019. Hier ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Holzbau entwickelt sich weiter. Unser Ziel ist es, dass wir so viel erzeugen, wie wir im Haus brauchen.
Meine Damen und Herren,
Karl-Heinz Schneider hat den „Pakt für den Klimaschutz“ bereits genannt. 60 Verbände und Institutionen fordern von der Bundesregierung ein klares politisches Bekenntnis zur weiteren Förderung des energieeffizienten Bauens und Sanierens sowie zur Verstetigung der Mittelausstattung mindestens in Höhe von 2 Mrd. Euro jährlich.
Die entsprechenden Finanzmittel sollen im Haushalt 2012 und in den Folgejahren eingestellt werden, denn Verbraucher, Hersteller, Gebäudeeigentümer, Planer, Kommunen und Ausführende benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, um den Gebäudebestand und das Leben in den Kommunen zukunftsfähig zu gestalten.
Denn nur so können auch Arbeitsplätze gesichert werden. Im Jahr 2010 waren das fast 350.000 Arbeitsplätze.
Nur so können Investitionen angestoßen werden. Es waren im Jahr 2010 rund 20 Mrd. Euro.
Nur so kann der Ausstoß von Kohlendioxid reduziert werden. Es wurden 2,5 Millionen Tonnen C02 eingespart.
Diesem Pakt haben sich sowohl der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks sowie wir als Holzbau Deutschland über unseren Zentralverband des Deutschen Baugewerbes angeschlossen.
Meine Damen und Herren,
falls Sie es noch nicht wissen: wir haben das Internationale Jahr der Wälder. Ein Jahr steht der Wald im Mittelpunkt zahlreicher Aktivitäten. Zum Wald haben wir Zimmerer naturgemäß eine enge Beziehung, liefert er uns unseren Roh- und Baustoff. Daher war es für uns keine Frage, uns als Holzbau Deutschland über unsere Mitgliedschaft im Deutschen Holzwirtschaftsrat dieser breiten und interessenübergreifenden Allianz aus dem Bund, den Ländern und Kommunen sowie mehr als 60 Dachorganisationen, Verbänden und Unternehmen anzuschließen.
Mit unserer Beteiligung an diesem Aktionsjahr wollen wir vor allem für eine stärkere Holznutzung, auch zum Schutz unseres Klimas, aufrufen. Wir wollen darstellen, dass aktive Holznutzung, Naturschutz und Erholung nicht im Widerspruch stehen, sondern im Einklang mit den Interessen der Menschen und des Waldes sind.
Holzbau Deutschland setzt sich für eine nachhaltige Pflege und Bewirtschaftung der Wälder ein, denn sie sind unverzichtbar für Umwelt, Klima und uns Menschen. Die Produkte und Leistungen der Wälder sichern Lebensqualität, Arbeitsplätze und Zukunftsfähigkeit.
In diesem Zusammenhang ist uns die Kaskadennutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz wichtig. Auf diese Weise soll eine besonders nachhaltige und effektive Nutzung sowie eine Einsparung beim Rohstoffeinsatz des Holzes erreicht werden. Nur in diesem Zusammenhang können wir uns mit dem Verheizen des Holzes anfreunden.
Ebenfalls setzen wir uns als Holzbau Deutschland wie auch als Deutscher Holzwirtschaftsrat, dessen Präsident ich bin, für die Einführung einer Recyclingquote und einer Getrennthaltungs- und Sortierpflicht für Altholz im Privathaushalt gemäß dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ein. Damit würde Holz als Wertstoff klarer anerkannt und die zuvor von mir genannte Kaskadennutzung wird unterstützt.
Meine Damen und Herren,
die Zukunftsfähigkeit unseres Baustoffes Holz ist gegeben. Als eines der ältesten Baustoffe ist Holz nachhaltig, heimisch und nachwachsend, hat positive Auswirkung auf das Klima und ist flexibel und vielfältig im Einsatz. Das sind auch die Gründe, warum Bauplaner in einer Trendstudie vom Marktforschungsinstitut Heinze angegeben haben, dass sowohl im Wohnungsbau als auch im Nichtwohnungsbau Holz der Trendbaustoff der nächsten Jahre sein wird.
Diese Chance werden wir als Holzbau Deutschland aufgreifen. Unser Ziel ist es, die Holzbauquote von derzeit knapp 15 Prozent auf 30 Prozent anzuheben. Es gibt aber schon Bereiche in Deutschland, wo wir deutlich eine 2 bei der Holzbauquote vorangestellt haben.
Meine Damen und Herren,
ich danke Ihnen für Ihr Zuhören. Wir freuen uns auf Ihre Fragen.



zurück