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Reden
07.05.2011
Mut, Aufbruch und Zusammenhalt wie die Bremer Stadtmusikanten zeigen
Bremen, 16. Deutscher Obermeistertag
Ullrich Huth, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, forderte auf dem 16. Deutschen Obermeistertag in Bremen die Zimmererorganisation auf, sich mit Mut, Aufbruch und Zusammenhalt - wie einst die Bremer Stadtmusikanten - den Herausforderung für die Zukunft zu stellen, denn die Chancen für den Holzbau waren noch nie so gut wie heute. Die Klima- und Energiediskussionen spielen dem Holzbau in die Hand.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
herzlich willkommen zum 16. Deutschen Obermeistertag in Bremen.
Bremen ist die Stadt, wo die Bremer Stadtmusikanten zuhause sind.
Sie alle werden die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten kennen.
Ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn haben sich zusammen getan, da sie aufgrund ihres Alters von ihren Besitzern als nicht mehr nützlich angesehen wurden und deshalb getötet werden sollten.
Doch sie zeigen Mut, Aufbruch und Zusammenhalt. Gemeinsam fliehen diese vier Tiere und schaffen das fast Unmögliche: Sie überlisten ihre Gegner, schaffen sich ein Heim und somit ein neues Leben.
Meine Damen und Herren,
es ist noch gar nicht solange her, da stand unsere Organisation vor einer nicht unumstrittenen Entscheidung. Im Jahr 1983 startete die Politik mehrere Initiativen zum kostengünstigen Bauen im Wohnungsbau. Daher bestand die große Gefahr, dass berufsfremde Kreise durch den Import von preiswerten Holz-Rahmen-Häusern aus Kanada Marktanteile erobern.
Es ist der Weitsicht des damaligen Vorstandes mit engagierten Kollegen unseres Berufes zu verdanken, dass dies erfolgreich verhindert wurde.
Durch den Holzrahmenbaukatalog.
Mit diesem detaillierten Konstruktionskatalog wurden die Zimmerer, die zu diesem Zeitpunkt das Zimmern kompletter Häuser verlernt hatten, wieder an den Holzbau herangeführt. Aber auch interessierte Architekten und Ingenieure wurden mit diesem Katalog angesprochen und auf die Möglichkeiten des Holzbaus aufmerksam gemacht.
Unter der Federführung von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister kam im Jahre 1985 der Konstruktionskatalog „Holzrahmenbau“ auf den Markt und führte zu einer Initialzündung für die Verbreitung dieser Bauart in Deutschland.
Der Holzrahmenbaukatalog ist die Grundlage für den Erfolg des handwerklichen Holzhausbaus in Deutschland.
Unser Verband und unsere Vorgänger im Ehrenamt haben mit der Erarbeitung dieses Holzrahmenkatalogs Zukunft gestaltet. Viele von uns schreiben mit diesen Entwicklungen heute schwarze Zahlen.
Meine Damen und Herren,
erst gestern im Gespräch mit Herrn Trittin hat es sich wieder gezeigt:
die politischen Rahmenbedingungen für den Holzbau könnten besser nicht sein. Egal, welche Partei man fragt, alle sind der Meinung, dass es immer wichtiger wird, Energie einzusparen.
Denn die Energie, die wir einsparen, brauchen wir weder über Atomkraftwerke noch durch regenerative Energiequellen erzeugen.
Eines der größten Potentiale zur Schonung unserer Ressourcen bietet damit der Gebäudebestand. Wir verbrauchen 40 Prozent unserer Energie in unseren Gebäuden. Der Gebäudesanierung und dem Neubau kommt somit eine Schlüsselfunktion beim Thema Energieeffizienz zu.
Wer kann die Ertüchtigung des Gebäudebestandes machen? Wer hat das Know-how bis hin zu PLUS-Energiehäusern?
Wir Zimmerer. Die Holzbauunternehmen in Deutschland.
Entsprechend erfreulich stehen wir zurzeit wirtschaftlich da. Wir haben ein Umsatzwachstum von 8 Prozent im letzten Jahr, vier Prozent werden uns für dieses Jahr vorausgesagt.
Uns geht es gut!
Aber machen wir uns nichts vor. Dieser Modernisierungsmarkt weckt Begehrlichkeiten. Auch andere Baustoffe mit ihrer starken Baustoffindustrie wollen an diesen Kuchen heran.
Daher dürfen wir den Kopf nicht in den Sand stecken, weil es uns und unseren zurzeit Betrieben gut geht.
Trotz guter Auftragslage stehen wir als Branche vor gewaltigen Herausforderungen und jeder einzelne ist gefragt.
Seit der Auflösung des Holzabsatzfonds durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor zwei Jahren gibt es viele nicht mehr, was unserer Branche sehr geholfen hat.
Seitdem gibt es keine übergeordnete Medienarbeit mehr,
keine Imagewerbung, keine Ausstellungen, keine Marktberichterstattung und ähnliche Maßnahmen, die den Absatz des Roh- und Baustoffes Holz gefördert haben.
Dazu ist uns die Deutsche Gesellschaft für Holzforschung weggebrochen, die durch die Forschungs- und Entwicklungsarbeit wertvolle Impulse für den Holzbau geleistet hat.
Ich denke, uns allen in der Branche ist klar, dass ohne diese Maßnahmen und Impulse der Roh- und Baustoff Holz in der öffentlichen Wahrnehmung an Stellenwert verlieren wird.
Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Öffentlichkeit positiv auf die vom Baustoff Holz besetzten Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie, CO2-Speicher etc. reagiert. Denn eigentlich waren die Chancen für den Holzbau noch nie so gut wie heute.
Meine Damen und Herren,
wie ich bereits erwähnt, wollen auch andere an das Fell heran, was uns vor der Nase liegt. Auch die konkurrierenden Baustoffe wie Beton und Stahl sind gut aufgestellt und besetzen in ihrem Marketing „unsere“ Themen wie „Nachhaltiges Bauen“ und „Positive Energiebilanz“. Vor allem die Baustoffindustrie fährt hier scharfe Geschütze auf.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
trotz unserer guten Ausgangslage und trotz guter Chancen für den Holzbau müssen wir uns für die Zukunft wappnen. Lassen Sie uns unsere Chancen nicht verspielen, sondern nutzen – indem wir uns als Zimmererhandwerk geschlossen um unsere Zukunft kümmern. Wir müssen für uns sprechen und werben und dürfen nicht darauf warten, dass es andere für uns tun.
Meine Damen und Herren,
wenn wir zurück schauen, können wir mit Stolz und Bewusstsein feststellen, dass wir unsere Zukunft immer selbst in die Hand genommen haben. Der bereits erwähnte Holzrahmenbaukatalog ist solch ein Meilenstein. Die Schaffung des Konstruktionsvollholzes ist ein weiterer Meilenstein.
Hinzu kommen viele weitere Impulse und Ergebnisse unserer Arbeit, auch aus dem letzten Jahr, auf die ich im Laufe dieses Obermeistertages noch eingehen werde.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wenn ich in die Runde schaue, muss ich leider feststellen, dass nur wenige der Einladung zum 16. Deutschen Obermeistertag gefolgt sind. Es müssten viel mehr von uns heute hier in Bremen sein. Das stimmt mich traurig und nachdenklich zugleich.
Liebe Kollegen,
es ist noch nicht so lange her, da wurde mir oft die Frage gestellt: „Was macht der Verband - die da oben“.
Der Verband und „die da oben“ sind wir. Ihr seid der Verband! Denn es geht darum, dass wir unsere Interessen bündeln und unsere Interessen entsprechend vertreten.
Daher appelliere ich an Sie, die heute gekommen sind: agieren Sie als Übermittler und Multiplikatoren, indem Sie Ihre Obermeisterkollegen auf Landesverbandstagungen zur Teilnahme an den jährlich stattfindenden Obermeistertagen auffordern.
Jeder von uns, der ein oder mehrere Ehrenämter hat, weiß es: ein Amt erfordert Zeit und Aufwand zusätzlich zu unserer Arbeit als Unternehmer.
Ihr Engagement als Obermeister ehrt Sie. Sie gehören damit zu den starken Stützen, die der Holzbau für seine Zukunftsfähigkeit braucht. Ihr Amt als Obermeister verpflichtet Sie aber auch zur Teilnahme. Denn nur so ist gewährleistet, dass der Obermeistertag in der Soll-Stärke tagt, die notwendig ist, unsere gemeinsame Zukunft für den Holzbau zu gestalten. Nur so können Sie Ihrer Mittlerfunktion innerhalb der Verbandstruktur überhaupt nachkommen.
Und zwar in beide Richtungen!
Nach unten an die Basis berichten, was Holzbau Deutschland für jeden einzelnen Betrieb tut, vor allem aber auch für den Holzbau als Branche tut.
Nach oben an Holzbau Deutschland berichten, was die Innung von Holzbau Deutschland erwartet.
Liebe Kollegen,
die Einführung des Obermeistertages vor 15 Jahren war nicht die Idee eines einzelnen, und schon gar nicht die Idee von Ullrich Huth.
Die Gemeinschaft der Landesverbände hat damals auf einer Fachversammlung beschlossen, einen deutschlandweiten Obermeistertag einzuführen, um den wichtigen Kommunikationsfluss in unserer Organisation zu verbessern. Die Gemeinschaft der Landesverbände zahlt diesen Tag inklusive der Vorbereitung durch unsere Geschäftsstelle.
Und da nur wenige gekommen sind, stelle ich die Frage, ob Ihr diesen bundesweiten Obermeistertag noch wollt? Ich stelle auch die Frage, warum einige Landesverbände rund um den Bundeskongress und den 16. Deutschen Obermeistertag andere Veranstaltungen terminiert haben und somit „Konkurrenz“ geschaffen haben.
Liebe Kollegen,
es geht nicht darum, wessen Veranstaltungen besser besucht werden, die des Bundesverbandes oder die der Landesverbände.
Es geht um die Erhöhung der Holzbauquote! Es geht um die Sicherung unseres Marktes, es geht um Aufträge und Umsatz.
Es geht um eine starke Gemeinschaft im Holzbau, die sich als Mannschaft versteht und sich die Bälle zu wirft.
Meine Damen und Herren,
um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir funktionierende Strukturen, eine sinnvolle Arbeitsteilung sowie ein funktionierendes Netzwerk.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer! Ein Holzbauverband alleine kann nicht für die Rahmenbedingungen auf allen Ebenen sorgen, die wir brauchen.
Aus diesem Grund ist Holzbau Deutschland Teil eines Netzwerkes mit vielen Ebenen.
Es gibt die Einbindung auf europäischer Ebene über die Europäische Vereinigung des Holzbaus. Dieses Thema werden wir im Laufe der Veranstaltung vertiefen.
Es gibt die Einbindung in die Deutsche Holzwirtschaft in enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Forst über den Deutschen Holzwirtschaftsrat.
Und da gibt es die Einbindung als Bundesfachgruppe im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.
Nicht zuletzt durch den Austritt eines Landesverbandes haben wir uns mit den Vorteilen beschäftigt, die wir durch den ZDB und auch durch die Bundesvereinigung Bauwirtschaft haben.
Ich sage es klar und deutlich: Die Mitgliedschaft im ZDB ist wichtig. Nur mit dem ZDB als große Organisation sind wir in der Lage, unsere Interessen als kleine und mittelständische Bauunternehmen gegenüber der Politik auf Bundesebene und auch auf europäischer Ebene wirksam zu vertreten. Ein kleiner Einzelverband wird nicht wahrgenommen und findet keinerlei Gehör.
Die Zusammenarbeit innerhalb des ZDB ist kollegial und konstruktiv. Als Technischer Verband lässt der ZDB den Fachgruppen entsprechende Spielräume, denn hier geht es zugegebener Maßen auch um den Wettbewerb der Baustoffe. Diesen Wettbewerb können wir aber nicht in die Politik oder Gesetzgebung hineintragen. Da geht es um Rahmenbedingungen des Bauens insgesamt.
Dass wir diese Spielräume haben und für den Holzbau nutzen zeigen die Beispiele die ich eingangs erwähnt habe: Holzrahmenbau und Konstruktionsvollholz - um nur zwei Beispiele zu erwähnen.
Aber alle, die wir bauen, ob Maurer, Straßenbauer, Fliesenleger, Stuckateur oder wir Zimmerer - Uns verbindet eines: wir alle bauen. 90 Prozent der Vorgaben und Regulierungen sind gewerkeübergreifend. Hier engagieren wir uns zusammen als ZDB für vernünftige Rahmenbedingungen für das gesamte Baugewerbe.
Und dann sind wir gefordert: Wir als Holzbauer müssen unsere Tore selbst schießen. Der ZDB, unser ZDB, ist unsere Defensive, der uns den Rücken freihält. Die Sicherung unseres Marktes ist unsere Aufgabe als Fachgruppe.
Meine Damen und Herren,
der Holzbau hat ein gutes Image, der Holzbau hat Know-how und Kompetenz, der Holzbau hat große Chance.
Natürlich müssen wir die Konkurrenz im Auge behalten. Konkurrenz für uns ist die kraftvoll auftretende Baustoffindustrie und die Bauindustrie, die im Gegensatz zu uns familiengeführten Unternehmen auch nicht ausbildet, uns aber die von uns ausgebildeten Fachkräfte abwirbt.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie uns stark auftreten, lassen sie uns stärker, nicht schwächer werden. Wir können nur so stark sein, wie wir uns als Mannschaft aufstellen. Wir wollen geschlossen auftreten und die Zusammenarbeit mit starken Partner – in unser aller Interesse.
Lassen Sie uns gemeinsam Mut, Aufbruch und Zusammenhalt zeigen, wie es uns die Bremer Stadtmusikanten vorgemacht haben.
Was uns der ZDB bietet und für uns macht, wird Ihnen jetzt Rechtsanwalt Felix Pakleppa ausführen. Herr Pakleppa, zeigen Sie auf, warum wir nur als Deutsches Baugewerbe erfolgreich die Rahmenbedingungen für unser Bauhandwerk mitgestalten können.
Sie haben das Wort.
