Reden

14.09.2011

Handwerk punktet aber auch durch seine regionale Verbundenheit

Stuttgart, Fachpressetreffen im Vorfeld der DACH+HOLZ International 2012 in Stuttgart

Ullrich Huth, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, gab anlässlich des Fachpressetreffens am 14. September 2011 im Vorfeld der nächsten DACH+HOLZ International 2012 einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Holzbaus und ging auf die regionale Verbundenheit des Handwerks ein.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass wir mit dem heutigen Fachpressetreffen in die heiße Phase der nächsten DACH+HOLZ International starten. Nach der Premierenveranstaltung im Jahr 2008 ist das Stuttgarter Messegelände im Januar 2012 wieder Standort für unsere gemeinsame Messe. Das Branchenhighlight für das deutsche Dachbau- und Holzbauhandwerk wird wieder Besucher aus dem In- und Ausland anziehen. Details zur Messe wird später Herr Dohr vorstellen. Aber aufgrund unserer Erfahrungen nach zwei sehr erfolgreichen Messen und aufgrund der Nachfrage seitens der Messeaussteller für das Jahr 2012 können wir jetzt schon sagen: auch die DACH+HOLZ International 2012 in Stuttgart wird ein Erfolg werden. Nirgends sonst kann man sich so komplett und umfassend über alle Produktneuheiten und Entwicklungen rund um die gesamte Gebäudehülle informieren und zugleich in einen intensiven Erfahrungsaustausch mit Kollegen und Zulieferern treten. Daher ermuntere ich meine Berufskollegen: Kommt zur Messe, nutzt den Winter! Die Messe findet im nächsten Jahr noch früher als zuvor statt, damit wir anschließend fit für die Kundenberatung sind.

Meine Damen und Herren,
rund um die Messe DACH+HOLZ International finden stets viele weitere Veranstaltungen statt. Gezielt wollen wir neben unseren Berufskollegen beispiels-weise auch Architekten, Ingenieure und Wohnungsbaugesell¬schaften ansprechen. Aber auch unseren Nachwuchs wollen wir ansprechen – mit der Zimmerer-Europameisterschaft 2012. Die Veranstaltung wird aber auch alte Hasen aus dem Holzbau begeistern. Und ich bin sicher, auch viele Dachdecker werden zu den Zuschauern gehören. Im Atrium des Messegeländes findet der 10. Europäische Berufswettbewerb statt. Mindestens acht Nationen werden an den Start gehen, um die beste Zimmerer-Nation und den besten Zimmerer Europas zu ermitteln. Es wird wie gewohnt eine Mannschafts- und eine Einzelwertung geben.

Die Zimmerer-Europameisterschaft findet zum 10. Mal statt. Deutschland und damit Holzbau Deutschland ist zum dritten Mal Gastgeber. Wir haben den ersten und zweiten Wettbewerb dieser Art in den Jahren 1994 und 1996 veranstaltet. Umso mehr freuen wir uns, dass die EM wieder einmal in Deutschland stattfindet, zudem im Rahmen der DACH+HOLZ als größte Branchenveranstaltung. Mit Freude kann ich Ihnen mitteilen, dass erstmals ein Bundeswirtschaftsminister die Schirmherrschaft für den europäischen Berufswettbewerb übernommen hat. Dr. Philipp Rösler hat erfreulicherweise die Schirmherrschaft weitergeführt, die uns im Mai 2011 sein Vorgänger im Amt, Rainer Brüderle, zugesagt hat. „Ich möchte die Anstrengungen Ihres Verbandes für die Berufsausbildung junger Menschen würdigen“, schrieb mir Herr Brüderle bei seiner Zusage zur Schirmherrschaft. Nun hoffen wir natürlich noch, dass unser Schirmherr auch persönlich zur Messe kommt. Eine Terminanfrage haben wir gestellt.

Meine Damen und Herren,
ich kann Sie als Medienvertreter sowie Ihre Leser aus der Holzbaubranche nur auffordern: Kommen Sie nach Stuttgart. Lassen Sie sich die EM nicht entgehen und lassen Sie sich von den gezeigten Leistungen in diesem Wettbewerb einnehmen. Ich habe schon viele gestandene Zimmermeister schlucken sehen, wenn sie die EM-Aufgaben sehen. Mir geht es nicht anders. Weitere aktuelle Informationen zur EM finden Sie übrigens mit zahlreichen Stimmen aus der Branche unter www.zimmerer-europameisterschaften.de.

Meine Damen und Herren,
aber Sie können auch zuvor schon bei einem anderen internationalen Berufswettbewerb mitfiebern. Heute in drei Wochen beginnt in London die Berufsweltmeisterschaft „WorldSkills 2011“. Unter den gut 1.000 Teilnehmern aus ca. 50 Ländern in 45 Berufen ist auch ein junger Zimmerer aus Deutschland. Unser Vize-Europameister 2010, Philipp Stich aus Thüringen, will auch bei der WM ganz vorne mitspielen. Das Wissen und die Fähigkeiten hat er. Er ist gut vorbereitet. Jetzt heißt es Daumen drücken! Unterstützen Sie Philipp Stich und unsere Zimmerer-Nationalmannschaft, werden Sie Fan auf der Facebook-Seite unserer Nationalmannschaft.

Meine Damen und Herren,
dieses Fachpressetreffen nutzen wir auch gerne, um über die wirtschaftliche Situation unseres Handwerks zu sprechen. Grundsätzlich können wir momentan sagen: es geht den Betrieben unseres Handwerks gut. Die Leistungen des Holzbaus werden nachgefragt. Bei der letzten Konjunkturerhebung innerhalb unseres Verbandes konnten wir einen Auftragsbestand von über zehn Wochen feststellen.
Es gab eine Zunahme des Beschäftigungsstandes, die Ausbildungsbereitschaft hat ebenfalls zugenommen. Gerade die Aufträge mit privaten Kunden nehmen weiterhin zu. 75 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit privaten Bauherren. Der Großteil fällt auf den Bereich der Modernisierung, auch hier gibt es weitere Zuwächse. Hier hat sich das Holzbau- und Zimmereigewerbe gut etabliert und das ist auch im Sinne unseres Klimas. Lediglich beim öffentlichen Bau gibt es einen Rückgang.
Unsere beiden Branchen leisten gerne ihren Beitrag, damit unsere Bundesregierung ihre gesetzten Klimaziele erreicht. Konkreter wird sich Karl-Heinz Schneider dazu äußern und auch unsere gemeinsame politische Forderung darstellen. Wir setzen uns für steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten der Modernisierungsmaßnahmen privater Bauherren ein.
Wie Sie vielleicht wissen, ist das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden an einer Ablehnung des Bundesrates im Juli 2011 zunächst gescheitert. Ich betone mit Nachdruck das „Zunächst“. Wenn wir die Energiewende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfolgreich meistern wollen, brauchen wir steuerliche Anreize. Daher fordert auch Holzbau Deutschland als Bundesfachgruppe im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes die Einleitung eines Vermittlungsverfahrens und damit die Beendigung der Hängepartie. Bauherren sollen zügig erfahren, ob und was sie an Unterstützung erwarten können, wenn sie Sanierungsmaßnahmen durchführen.
Meine Damen und Herren,
insgesamt ist eine Verstetigung der Förderung wichtig, denn private Häuslebauer wie Investoren brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Stark schwankende Fördermittel wirken sich negativ auf die Planungs- und Investitionssicherheit der privaten Investoren aus. Nachrichten über nicht ausreichende KfW-Mittel für die energetische Sanierung verunsichern Hauseigentümer und veranlassen diese, an sich geplante energetische Investitionen aufzuschieben. Daher fordern wir auch eine Ausweitung der KfW-Mittel auf zunächst mindestens 2 Mrd. Euro pro Jahr, später auf 5 Mrd. Euro pro Jahr, um die Gebäudesanierung voranzubringen.

Sehr verehrte Damen und Herren,
da Sie immer gerne Zahlen hören, will ich dem gerne nachkommen. Zahlen, wie viele Holzbau- und Zimmereibetriebe es deutschlandweit gibt, finden Sie zusammen mit Angaben zum Umsatz und zu den beschäftigen Mitarbeitern in unserem „Lagebericht Zimmerer/ Holzbau“, den Sie in der Pressemappe finden.
Da wir heute in Baden-Württemberg sind und auch die nächste DACH+HOLZ in diesem Holzbaustarken Bundesland stattfindet, kurz die Daten zu unserem Handwerk in Baden-Württemberg: Ende 2010 gab es gut 2.000 Betriebe mit über 14.000 Mitarbeitern und knapp 2.000 Lehrlingen. Ein Umsatz von 1,2 Mrd. konnte erwirtschaftet werden. Das der Holzbau „im Ländle“ stark ist, zeigt sich auch an der Holzbauquote: 24,4 Prozent der Neubauten bei Ein- und Zweifamilienhäuser werden in Holz gebaut. Bundesweit liegt die Holzbauquote bei 14,8 Prozent im Jahr 2008.

Meine Damen und Herren,
ich möchte zum Abschluss noch auf einen anderen wichtigen Aspekt kommen: die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks im Allgemeinen und des Holzbauhandwerks im Besonderen. Die Handwerkskampagne mit dem Slogan „Die Wirtschaftsmacht von nebenan“ ist ein großer Erfolg. Das Handwerk wird durch die Kampagne als Wirtschaftsfaktor und als Arbeitgeber wahrgenommen – auch wenn die Mitarbeiterzahlen pro Betrieb gering sind. Im Holzbau haben wir im Durchschnitt nur 5,4 Mitarbeiter pro Betrieb. 86 Prozent unserer Betriebe haben zwischen ein und neun Mitarbeiter. Aber die Masse macht es!
Handwerk punktet aber auch durch seine regionale Verbundenheit, stärkt die regionale Wirtschaft bzw. ist die regionale Wirtschaft. Handwerk heißt: aus der Region und für die Region. Beim Holzbau kommt zudem noch der Roh- und Baustoff Holz aus der Region.

Meine Damen und Herren,
heute haben wir den „Internationalen Tag der Tropenwälder“, der den Blick auf den weltweit bedrohlichen Waldverlust lenken soll. Deutschland gilt weltweit als vorbildlich, weil unsere Wälder nachhaltig und naturnah gepflegt und genutzt werden. Dennoch wollen Naturschützer und Politiker große Waldflächen in sogenannte Nationalparks umwandeln und damit aus der Waldpflege herausnehmen, ohne dass dies bedeutende Vorteile – nicht einmal für die Natur – bringen würde. Im Gegenteil: Dies entzieht denjenigen die Existenzgrundlage, die von unserer nachhaltigen Wald- und Holzwirtschaft leben. Daher rufen heute verschiedene Verbände der Forst- und Holzwirtschaft auf, die Irrtümer von Nationalparks aufzuklären. Naturpark heißt nicht automatisch mehr Naturschutz und mehr Artenvielfalt. Erst die konsequente Verwendung von Holz aus heimischer, nachhaltiger Waldwirtschaft ist ein Garant für eine erfolgreiche Energiewende, für Klimaschutz und Artenvielfalt, für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Entwicklung ländlicher Regionen. Dies gilt auch für den Nordschwarzwald, der als Naturpark ausgewiesen werden soll.

Meine Damen und Herren,
mit unserem nachwachsenden und klimafreundlichen Baustoff Holz aus der Region bzw. aus Deutschland, stärken wir unsere Zulieferer und Partner in der gesamten Holzwirtschaftskette. Das fängt beim Forst an, geht über die Säger und die zahlreichen weiteren Verarbeitern des Holzes, auf die wir setzen. Damit sichern wir Arbeitsplätze in unserem Handwerk und in der Region, wo unsere Betriebe, häufig familiengeführt, zu Hause sind. Mit unserem wirtschaftlichen Gewicht müssen wir uns nicht verstecken. Wir kommen aus der Region und wir stärken die Region. Das dürfen wir dann auch selbstbewusst vertreten. Somit danke ich für Ihre Ausführungen und übergeben gerne an Karl-Heinz Schneider.



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