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Reden
24.02.2010
Die Lage, Chancen und politischen Forderungen des Zimmererhandwerks
Köln, Eröffnungsveranstaltung der Messe DACH+HOLZ International 2010
Ullrich Huth, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, stellte im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung die Lage des Zimmerer- und Holzbaugewerbes vor und erläuterte die politischen Forderungen des Holzbaus
Sehr geehrte Damen und Herren,
auch im Namen von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister heiße ich Sie herzlich auf der DACH+HOLZ International 2010 in Köln willkommen. Mit den nächsten vier Tagen können wir hoffentlich an die erfolgreiche Premierenveranstaltung von vor zwei Jahren in Stuttgart anschließen. Unsere Aussteller haben wieder viele neue Produkte dabei, so dass wir uns auf dieser Messe über die neuestens Trends und Entwicklungen für die Holzbau- und Dachbaubranche informieren können. Nun liegt es an uns Zimmerern und Dachdeckern, dieses Angebot anzunehmen. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich auch die zweite Veranstaltung der DACH+HOLZ International zum Branchentreff des Jahres entwickelt wird.
Meine Damen und Herren,
für mich ist die Messe ein Anlass, um über die wirtschaftliche Lage unserer Branche zu berichten. Das zurückliegende Jahr 2009 war für den Holzbau positiv. Unser Umsatz hat sich auf ein stabiles Niveau eingependelt. Nach einem Knick im Jahr 2007 liegen wir im Jahr 2009 bei fast 5 Mrd. Umsatz. Für 2010 erwarten wir eine Steigerung um zwei Prozent. Unsere Betriebe sind zurzeit gut ausgelastet und haben einen Auftragsbestand von 6,7 Wochen. Das ist angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage sehr erfreulich. Nur der lange Winter bremst uns zurzeit etwas aus. Wir setzen jetzt auf Tauwetter, so dass wir – nach der Messe - auf die Baustellen zurückkehren können.
Unser Geld verdienen wir nach wie vor mit privaten Bauherren, die für drei Viertel unseres Umsatzes verantwortlich sind. Hier rechnen wir in der Zukunft mit einer weiteren Zunahme. Der Umsatz mit gewerblichen Kunden wird eher weniger werden. Bei der öffentlichen Hand ist nach wie vor eher unklar, ob und wie sich die Konjunkturpakete wirklich auf den Holzbau auswirken werden.
Meine Damen und Herren,
insgesamt können wir sagen, dass Klimaschutz und Energieeffizienz Themen sind, die dem Zimmerer- und Holzbaugewerbe regelrecht zuspielen. Hier profitieren wir von der Entwicklung und der Leistungsfähigkeit unseres Berufsstandes. Das Zimmererhandwerk hat sich hier zu einem Komplettanbieter entwickelt. Unsere Betriebe führen ein immer breiteres Spektrum an Tätigkeiten aus. Das umfasst inzwischen nicht nur den handwerklichen Bereich, sondern beinhaltet auch die Planung und die Bauphysik und kommt uns beim Neubau wie bei der Modernisierung zugute.
Meine Damen und Herren,
liebe Holzbaukollegen, hier können wir punkten! Die Neufassung der EU-Gebäuderichtlinie sieht vor, dass alle neuen Gebäude ab dem Jahr 2021 als sogenannte „Fast-Nullenergiegebäude“ errichtet werden müssen. Hier müssen wir nichts neu erfinden, hier müssen wir als Holzbauhandwerk nur deutlich machen, dass wir diese Standards bereits heute schon bieten.
Meine Damen und Herren,
48 Prozent unseres Umsatzes werden inzwischen durch Modernisierungsmaßnahmen erwirtschaftet. Das ist ein Anstieg um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Bauen im Bestand ist damit zur Haupttätigkeit der Betriebe geworden. 77 Prozent unserer Betriebe wollen die energetische Modernisierung künftig noch stärker ausbauen. Diese Verschiebung zeigt deutlich, dass es den Zimmerer- und Holzbaubetrieben auch dank der KfW-Förderprogrammen gelungen ist, sich von der „Flaute“ im Neubaubereich unabhängig zu machen und diese durch Modernisierungsarbeiten mehr als auszugleichen.
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Fördermittel der KfW für energieeffizientes Bauen und Sanieren durch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags weiter bewilligt werden können - obwohl der Bundeshaushalt 2010 erst im März abschließend verabschiedet wird.
Allerdings sehen wir mit Sorge, dass die Fördermittel für die Maßnahmen der energetischen Sanierung gemäß dem Haushaltsentwurf 2010 und in den folgenden Jahren möglicherweise zurückgefahren werden sollen.
Das würde zwangsläufig die Sanierungsaktivitäten bremsen und stünde auch den klimapolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung entgegen.
Insgesamt bedarf es weiterer Anreize, um den Gebäudebestand in Deutschland in überschaubarer Zeit auf ein energetisches vernünftiges Niveau zu bringen. Wir halten an unserer Forderung nach Einführung einer Energiesparprämie für private Bauherren fest, um das Geld von der hohen Kante locker zu machen. Weitere Impulse könnten durch höhere Abschreibungsmöglichkeiten ausgelöst werden.
Daher wäre eine sogenannte Klimaschutzabschreibung sinnvoll. Bei der Denkmalschutz-Abschreibung können Vermieter über einen Zeitraum von zwölf Jahren ihre Modernisierungs- und Instandhaltungs¬kosten komplett abschreiben und Eigennutzer neun Jahre lang jeweils zehn Prozent geltend machen.
Wenn die von der EnEV 2009 vorgegebenen Standards bei der energetischen Sanierung erreicht werden, könnte eine solche Klimaschutzabschreibung angewandt werden. „Was für den Erhalt unserer Baudenkmäler recht und billig ist, kann für den Schutz unseres Klimas doch nicht falsch sein“ – so sagte es mein Kollege Karl-Heinz Schneider in seiner Funktion als Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft vor wenigen Tagen auf der Bautec in Berlin. Dem kann ich nur zustimmen.
Meine Damen und Herren,
im Gegensatz zum Modernisierungsgeschäft liegt der Neubau weiterhin brach. Die klassischen Zimmererarbeiten im Neubau sind gemäß der allgemeinen baukonjunkturellen Entwicklung um zehn Prozent auf 23 Prozent gesunken. Auch die Zahlen der fertiggestellten Wohngebäude sprechen hier Bände. Innerhalb von zwei Jahren ist diese Zahl um 40 Prozent gesunken. Wir erwarten zwar keinen weiteren Rückgang, aber ein spürbarer Aufwärtstrend ist nicht abzusehen.
Meine Damen und Herren,
auch hier ist Handlungsbedarf seitens der Politik gefordert. Und das ist nicht nur unser Wunsch als Baugewerbe. Laut einer Prognos-Umfrage, die in der vergangenen Woche veröffentlich worden ist, wünschen sich die Deutschen mehr staatliche Unterstützung bei der Verwirklichung des Traums vom Eigenheim. Gewünscht sind einfache und transparente Fördermaßnahmen. 65 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Wiedereinführung der Eigenheimzul-age aus, 60 Prozent befürworten Steuer-erleichterungen. Unser Zentralverband des Deutschen Baugewerbes unterstützt daher die Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“, um die Hilfen zur Unterstützung der Wohneigentumsbildung zu verbessern.
Meine Damen und Herren,
insgesamt können wir feststellen, dass die jüngere baurelevante Generation der Holzbauweise wesentlich offener gegenübersteht. Auch die Holzbauquote als Anteil der Holzhäuser ist im Jahr 2008 auf nun 14,4 Prozent gestiegen. Für 2009 warten wir noch auf die Zahlen.
Damit wollen wir uns noch lange nicht zufrieden geben. Hier sehen wir noch viel Potential - natürlich für unsere Branche, aber vor allem auch für unser Klima! Denn Holz ist nun einmal ein nachwach-sender, heimischer und klimafreundlicher Baustoff.
Betrachtet man die Holzbauquote nach Bundesländern, sind deutliche Unterschiede zu sehen. Es gibt Regionen mit einem Holzanteil von über 20 Prozent. Hier in Nordrhein-Westfalen liegt die Holzbauquote nur zwischen 8 und 9 Prozent. Unser Ziel muss es sein, die Holzbauquote deutlich anzuheben.
Dazu werden auch wir als Organisation durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit unseren Beitrag erbringen. Aus diesem Grund wollen wir morgen Vormittag mit einem großen Zimmererklatsch auf dem Roncalliplatz am Kölner Dom ein Zeichen für den Holzbau setzen. Nach einem Gottesdienst im Dom wollen wir zeigen, wer den Holzbau in Deutschland macht: nämlich wir Zimmerer.
Dazu sind Sie alle herzlich eingeladen, auch die Nicht-Zimmerer! Aber nur wer in Kluft kommt und mitklatscht, hat die Chance, ein Fahrzeug der Firma Ford zu gewinnen.
Meine Damen und Herren,
es spricht vieles für ein Holzhaus. Ich könnte Ihnen jetzt viele Argumente aufzählen. Stattdessen setze ich auf einprägsame Zahlen: Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus in Holzrahmenbauweise mit 120 Quadratmetern Wohnfläche werden circa 20 Tonnen Holz benötigt. Dieses Holz hat beim Wachsen CO2 aufgenommen: circa 37 Tonnen. Das ist ungefähr die Menge, die ein durchschnittlicher europäischer Pkw auf einer Strecke von 250.000 Kilometern ausstößt.
Und nun kommt es: setzen wir diese Kilometer in Verhältnis mit der durchschnittlichen mittleren Fahrleistung in Deutschland von 14.000 Kilometern, bedarf es 18 Jahre, bis die Menge an CO2 produziert ist, die ein durchschnittliches Holzhaus schon zum Zeitpunkt des Erstellens gebunden hat Also wer ein Holzhaus baut, kann 18 Jahre Auto fahren ohne die Umwelt zusätzlich mit Kohlendioxid (CO2) zu belasten, denn das Holz in seinem Haus hat diese schon beim wachsen gespeichert.
Diese Menge CO2 wird aber in der Regel weitere 100 Jahre im Haus gebunden und kann dann in Holzwerkstoff wiederum über viele Jahre gebunden werden bis es dann einer thermischen Verwertung zugeführt wird.
Meine Damen und Herren,
aber nicht nur wir als Branche müssen unseren Beitrag leisten, die Holzbauquote zu erhöhen, auch die Politik ist hier gefordert, für das Multitalent Holz am Bau zu werben. Die CO² Speicherung im Holz und Holzprodukten sowie die damit verbundene Senkenfunktion wird von der Politik noch nicht in der Weise gewürdigt wie es ihr zusteht. Auch vor dem Hintergrund des Wegfalls des Holzabsatzfonds kann es unsere Branche nicht alleine schultern, für Holz als Rohstoff aus deutschen Wäldern zu werben.
Hier gibt es auch noch viel Nachholbedarf. Die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz muss wenn wir die uns gesetzten Klima- schutzziele erreichen wollen auch stärker in die Ausbildung von Architekten und Ingenieuren aufgenommen werden und auch dieser Bereich darf nicht alleine der Branche überlassen werden,
Sehr geehrte Frau Ministerin Thoben,
wir würden uns freuen, wenn Sie unsere Anregungen von der DACH+HOLZ International mitnehmen da Ihnen ja die Thematik der Kohlendioxidspeicherung vertraut ist. Aber vielleicht haben Sie ja schon etwas im Gepäck dabei. Ich darf Ihnen jetzt das Wort übergeben und bin gespannt auf Ihre Ausführungen. Frau Ministerin Thoben, Sie haben das Wort.
